#3 – Mittätertrennung

„Viel Glück.“ wünschte mir der BKA-Beamte, als er mir die Handschellen abnahm und mich dem Vollzugsbeamten übergab, der am Eingang wartete.
Mein Körper fühlte sich schwach an, ich wusste nicht, was auf mich zukommt.
Ohne zu begreifen wo ich genau war oder wie ich dahin gekommen war, stand ich plötzlich in einer Art Vorraum mit zwei Vollzugsbeamten.
„Zieh Dich aus!“, befahl mir einer von ihnen.
Das erste Mal musste ich mich im Polizei-Revier ausziehen, also war das nichts Neues. Nachdem ich mich entblößt hatte, aber keines Blickes der Vollzugsbeamten würdig war, sprach einer aus seinem Mundwinkel: „Deine Unterhose auch.“
Ich weiß noch, wie ich diesen einen Film von Adam Sandler angeschaut hatte, das war eine Komödie und es war lustig anzusehen, wie die Arschlöcher der Häftlinge kontrolliert wurden. Doch der Gedanke, dass dies gleich bei mir geschehen würde, war alles andere als komisch. Zu meinem Glück war dies nur ein Irrglaube, mir wurden direkt Häftlingsklamotten überreicht mit der Empfehlung, dass ich mich schleunigst anziehen soll. Da ich glücklich war, nicht von Vollzugsbeamten gefingert zu werden, ignorierte ich wohl die „Bremsspuren“ an den 3 Unterhosen, die mir zum Tragen gegeben wurden. Auch die Größen passten nicht genau, die Jogginghose zu groß und das Oberteil zu klein.
Kaum angezogen, wurde ich von einem anderen Vollzugsbeamten abgeholt und in einen Warteraum geführt.
Es befanden sich ein Tisch und eine Sitzbank sowie eine Toilette in dem Raum. Entschuldigung, ich meinte Zelle, meine erste Zelle, die ich zu Gesicht bekam. Das Fenster war klein und mit Gittern versehen. Die Wände waren beschmiert und mit verschiedenen Worten, Texten, Namen und Daten versehen. Dem Tisch und der Sitzbank erging es nicht anders als der Wand. Die Toilette war unangenehm anzusehen, weder war sie separat in einer „Kabine“, noch war irgendein Sichtschutz für Privatsphäre-Zwecke angebracht.
Als die Tür sich schloss, hörte ich zum ersten Mal das Geräusch, das mir täglich den Schlaf rauben sollte, jedoch auch Hoffnung machte: Das Klappern der Schlüssel am Schlüsselbund. Sie schlossen die Zellentüren zu, und sie machten sie wieder auf. Wenn ich eingesperrt wurde, war es das letzte Geräusch, was ich zu hören bekam. Aber auch das erste Geräusch, was ich hörte, wenn meine Zellentür aufging.
Nun war ich da in einem Warteraum, ausnahmsweise war hier die Zellentür durchsichtig, mit Glas oder Plastik versehen. Ich schaute aus der Tür, um zu sehen, was im Flur los war, doch es war tote Hose.
Plötzlich sah ich, wie mein Bruder vorbei lief, ich klopfte gegen die Tür und schrie seinen Namen, er sah mich: „Halt durch! Du kommst in 2-3 Wochen raus! Ich werd dafür sorgen, ich nehme alles auf mich!“
Er grinste nur, doch das war ein verzweifeltes Grinsen.
Der Vollzugsbeamte hinter ihm gab ihm einen so starken Ruck, dass er kein Wort hevorbringen konnte.
Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen war, es fühlte sich an wie eine ganze Ewigkeit, doch da war das Schlüsselgeräusch erneut zu hören, eine Beamtin brachte einen alten Mann herein, er sah aus wie ein Penner, hatte sogar eine Aldi-Tüte, gelbe Finger, lange Fingernägel, einen ungepflegten weissen Bart und private Klamotten, die schlimmer waren als die der Anstalt. Er setzte sich hin und zündete eine Zigarette an, die extrem nach verbrannter Zeitung stank.
Die Beamtin wollte gerade die Tür schließen, da fragte ich sofort:
„Wo ist mein Bruder? Darf ich zusammen mit ihm in eine Zelle?“
Sie rollte ihre Augen, am liebsten hätte sie wohl die Tür sofort zugeschlossen, bevor ich mit der Frage ankam.
„Ihr dürft nicht in eine gemeinsame Zelle. Ich denke nicht, dass ihr euch bald wieder sehen werdet.“
Ich war schockiert. „Aber er ist doch mein Bruder?“
Sie grinste nur. „Na und? Mittätertrennung!“
Sie knallte die Tür zu, und ich war einfach nur traurig.

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