Von Emre Ateş

Hafttagebuch

Als Computerbetrüger wurde ich zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. In diesem Hafttagebuch erzähle ich meine Geschichte, meine Eindrücke von der Haft, meine persönlichen Herausforderungen und mein Prozess der Besserung.

Begleite mich auf der wichtigsten Reise meines Lebens und tauch in eine Welt ein, die Du wahrscheinlich so nicht kanntest.

Autor

Emre Ateş

Mit 22 Jahren bin ich wegen Computerbetruges zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Die Zeit in der Haft habe ich genutzt, um mein Leben und meine Person zu reflektieren.

Nach der Haft habe ich die Taten für sich sprechen lassen. Ich habe einen Studium der Wirtschaftsinformatik abgeschlossen, einen tollen sozialen Kreis aufgebaut, einen tollen Arbeitgeber gefunden und eine (für mich) tolle persönliche Entwicklung durchgemacht – heute bin ich dort, wo ich schon gestern immer sein wollte. Ich bin ein freier Mensch.

 

Veröffentlichte Kapitel

Verhaftung

Entlassung

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Gelangweilt ließ ich meinen Blick also durch den Raum schweifen, in dem es nicht viel gab ausser der vollgekritzelten Wand, das wohl spannendste an der sonst so leeren Zelle. An einem Gekritzel blieb mein Blick jedoch hängen und zog meine Aufmerksamkeit auf sich.

„Bir gün geleçek, bir gün kalaçak“

Eines der motivierendsten Sprüche, die ich während meiner Haftzeit zu lesen bekam, und dann auch noch in meiner Muttersprache, welches übersetzt soviel hieß wie:

„Es wird der Tag kommen, an dem nur noch ein Tag verbleiben wird (bis zur Entlassung)“  

– Emre Ateş

Ankündigung

Coming soon

VICE Artikel

Anfang November 2019 bekam ich Besuch vom VICE - Journalisten Tarek Barkouni. In zwei Tagen erzählten meine Freunde, meine Familie und ich über die Zeit in der Haft, was danach kam und wo wir heute sind.

Mein Hafttagebuch

Bir gün geleçek, bir gün kalaçak

#1 – Verhaftung

Mein jüngerer Bruder, Realschüler, und ich, Student, befanden uns in meiner 1-Zimmer-Wohnung. Es war spät abends geworden,...

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#2 – Die Arrestzelle

Die Beamten griffen mich fest an den Armen. Einer umklammerte mich förmlich, während die beiden Anderen meine Arme hinter...

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#3 – Mittätertrennung

„Viel Glück.“ wünschte mir der BKA-Beamte, als er mir die Handschellen abnahm und mich dem Vollzugsbeamten übergab, der am...

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Wie geht es weiter?

 

Das Hafttagebuch als Podcast
Höre stets als erster in die Podcastfolge rein und lerne meine Gäste – Familie, Freunde und Bekannte – kennen!
Hast Du z.B. bereits die Podcast Folge 4 mit Enkidu gehört? Gerade die letzten zwei Minuten der Folge sind besonders für mich.

Neuigkeiten über Emre Ates
Was treibt mich heute voran? Wie hat sich mein Leben nach der Haft entwickelt? Wie sieht es mit dem Thema Religion aus? Wie hat mich das Hafttagebuch geprägt? Gerne halte ich Dich hin und wieder auf dem Laufenden, wenn es etwas zu erzählen gibt. Erfahre z.B. als einer der Ersten wenn ein Artikel auf dem Vice-Magazin erscheint.

Leben wie ein Film – das Hafttagebuch Prequel
Wenn ich heute im Alter von fast 30 Jahren auf mein bisheriges Leben zurück blicke, dann sehe ich einen jungen Emre, den ich gerne in meine Arme nehmen  und sein Kopf streicheln würde, so wie es seine Mutter stets getan hat. Ich würde ihm gerne sagen, dass alles gut wird und dass ich stolz auf ihn bin. Ich sehe wie er auf einem der roten Streifen sitzt, die den grünen Bodenteppich der Moschee verzieren und wie er seine Hände zum Gebet öffnet. Von seinem Hoca – dem Moscheelehrer – hatte er über dieses mystische Zeitfenster gehört – ‚Seher Vakit‘. Ein Zeitfenster in dem alle Gebete vom Allmächtigen erhört werden. Er musste nur dieses heilige Zeitfenster erwischen, nur oft genug beten und alles würde sich ändern: „Mein Allah, Du bist der Größte! Du bist Allmächtig! Ich bezeuge, dass Du der einzig wahre Gott bist und dass der Prophet Muhammed dein Gesandter und Diener ist. Bitte schenke meiner Familie, meinem Vater, meiner Mutter, meiner Schwester und meinem Bruder viel Gesundheit und reserviere ihnen einen Platz im Himmel. Und oh Barmherziger, bitte bitte … mach mein Leben zu einem Film!“

Ich erinnere mich an den jungen Emre, erinnere mich an die Moschee. Ich weiss nicht genau, von wann diese Erinnerung ist, doch es müsste irgendwann zu Seher Vakti gewesen sein.